Unser erstes Jahr zu Viert

Moritz läuft. Was für ein wichtiger Meilenstein. Er ist fast 14 Monate alt. Er hat 8 Zähne und isst alle Mahlzeiten bei uns mit. Er ist das freundlichste kleine Kerlchen das ich kenne, hat noch nie gefremdelt und schenkt jedem ein Lächeln. Er ist so unglaublich stark und klettert alles hoch was eine Stufe hat. Er hat sein erstes Paar Schuhe und kann nun ganz alleine gehen. Damit habe ich offiziell kein Baby mehr zu Hause. Wie schnell ist die Zeit bitte vergangen? Viel zu schnell wenn ihr mich fragt. Und ich frage mich: Habe ich die Zeit bewusst genossen? Habe ich all die kleinen und großen Momente ausreichend festgehalten? Werde ich die Zeit jemals vermissen, zurück wünschen? Ja, wie war die Zeit überhaupt? Heute schaue ich einmal zurück, auf unser erstes Jahr zu Viert.

Ich kann mein Glück kaum beschreiben, als ich Moritz zum ersten Mal in den Armen hielt. Es war unglaublich. Mein erster Gedanke und auch mein erster Satz zu Sven war: das will ich unbedingt noch einmal erleben. Wohingegen ich nach der ersten Geburt dachte: das stehe ich kein zweites Mal durch. Überhaupt, mein zweites Kind hat mich in meiner Mutterrolle so stark gemacht. Viele Zweifel, die ich bei Emilia hatte, die Unsicherheit, viele Ängste: alles war wie weggeblasen. Moritz hat mich ankommen lassen in der Mutterrolle. Ich habe mich nicht verunsichern lassen, mir nicht reinreden lassen. Ich war gelassen. Suchte ich beim ersten Kind noch den Kontakt und die Ratschläge anderer Mütter, so genügten Moritz und ich uns im Wesentlichen. Wir besuchten kein PEKiP und kein Babyschwimmen, sondern wir genossen die Vormittage zu Zweit. Die Nachmittage zu Dritt. Die Abende zu Viert.

Ja genau, denn ab nachmittags waren da nicht nur er und ich. Moritz hat noch etwas ganz anderes in die Familie gebracht. Aus unserem mittlerweile super eingespielten Dreierteam wurden auf einmal vier. Zwei Elternteile und zwei Kinder. Bzw. ganz oft auch ein Elternteil und zwei Kinder. Kaum eine Pause, immer da sein, immer Hilfestellung leisten, Fragen beantworten, Hunger stillen, Aua wegpusten. Eine Windel war quasi immer voll. Und geschlafen haben tagsüber selten beide gleichzeitig.

Emilia war mit ihren 2,5 Jahren noch sehr klein als sie von heute auf Morgen große Schwester wurde. Sie hat das super gemeistert, hat sich nie beschwert und sich ihren Bruder nie weg gewünscht. Aber mit ihren 2,5 Jahren hatte sie auch Bedürfnisse. Sie war weder trocken, noch konnte sie sich alleine anziehen, geschweige denn alleine in den Schlaf finden. Und nicht zu vergessen: Sie befand sich inmitten ihrer Trotzphase. Trotzdem machte sie bereitwillig Platz im Kinderwagen und im Babybettchen. Stolz half sie mir beim Wickeln und suchte mit Vorliebe seine Outfits aus.

Aber es war natürlich nicht alles perfekt. Es war auch verdammt anstrengend. Ich erinnere mich noch genau an Spielplatzbesuche, die damit endeten, dass ich den hungrigen, schreienden Moritz in der Babytrage und die laufmüde Emilia auf der Hüfte trug, während ich mit der freien Hand den Kinderwagen nach Hause schob, in dem anstelle des Babys, Emilias Laufrad lag. Oder an unseren ersten Winter zu Viert, in dem wochenlang ohne Übertreibung mindestens einer von uns Vieren immer krank war. In ihrem ersten Kindergartenjahr brachte Emilia Virus um Virus mit nach Hause, der reih um die ganze Familie lahm legte. Meinen absoluten Tiefpunkt erreichte ich mit einem Magen-Darm-Infekt: Sven auf Geschäftsreise und wir Drei  krank zu Hause. Ich wickelte im Akkord, wechselte und wusch die Bettwäsche mehrmals täglich und kam gar nicht hinterher die Spucke aufzuwischen bis sich wieder einer übergeben hatte. Wohlgemerkt selbst magen-darm-krank. Ich erinnere mich an viele Nächte mit sehr wenig Schlaf. Ich erinnere mich an einen vernachlässigten Haushalt, an manchmal nicht mehr händelbare Wäscheberge, überquellende Windeleimer, an schweißtreibende Supermarktbesuche. Ich erinnere mich an zwei kleine Kinder, die das Recht haben 24 Stunden am Tag Bedürfnisse zu haben und an uns Eltern, die irgendwie versuchten den Kopf über Wasser zu halten. Stark zu sein.

Ich erinnere mich aber auch an ein ausgesprochen gelungenes Reisejahr. Auf unseren Reisen habe ich jedes Mal so viel Energie getankt. Raus aus dem Alltagstrott. 100% Familienzeit. Wir waren an der Ostsee, als Moritz erst wenige Wochen alt war. Und wurden mit so viel Sonne beschenkt. Ich erinnere mich an unser erstes Weihnachten zu Viert, im Skiurlaub, mit der ganzen Großfamilie. An unsere erste Flugreise nach Lanzarote. Und allem voran an unsere 2,5 Monate lange Italien-Rundreise. Auf der ich alle Akkus aufgeladen habe. Ich hatte großen Respekt davor, die Zeit ununterbrochen zusammen zu verbringen. Ohne Kindergarten. Ohne Spielgefährten für Emilia. Ohne Omas, Opas, Tanten und Onkel. 11 Wochen nur wir Vier auf engstem Raum. Und es war so gut. Die Reise hat uns entschleunigt, uns so unglaublich viel unglaublich wertvolle Zeit zu Viert geschenkt. Keine Termine, keine Deadlines, keine Verpflichtungen. Zeit zum Spielen, Kuscheln, Vorlesen und Staunen. Zeit zum Reden und als Paar wieder zueinander finden. So viele kleine und große Momente, die für immer in meinem Herzen sind und mir, sobald ich nur daran denke, ein warmes Gefühl im Bauch schenken.

Ich erinnere mich an ein aufregendes, erlebnisreiches, intensives, alles in allem sehr gutes und unvergessliches Jahr.

Und unterm Strich: Blicke ich heute glücklich auf unseren Sohn, unsere Tochter und auf uns Eltern: Wir haben zwei unheimlich tolle Kinder. Die jeder für sich ein unglaublich großes Geschenk sind. Die sich lieben und nicht ohne einander können. Es ist so schön zwei Kinder zu haben. Und es ist noch schöner einen Partner zu haben, mit dem man das alles geteilt und gemeistert hat.

Ich bin ziemlich stolz: auf meine Kinder, auf meinen Mann und auf MICH!

2 Kommentare

  1. Wunderbare Worte! Die finde ich selbst irgendwie nicht. Vieles erkenne ich wieder, anderes war und ist naturgegeben bei uns etwas anders. Aber unterm Strich: Ich liebe meine beiden Mädels über alles, beide sind etwas ganz Besonderes und ebenfalls ein super Team. Lotta wurde ja mit 1.5 schon große Schwester, eine Rolle, die sie mittlerweilr so perfekt und liebevoll ausfüllt. Sie hat meinen vollen Respekt.
    GlG, Nicole

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