Warten auf Lizzy

Seit Wochen gibt es bei uns zu Hause eigentlich nur ein Thema. Alles dreht sich darum, wann Lizzy endlich nach Hause kommt. Aber nicht nur uns beschäftigt diese Frage. Fast täglich erreichen uns Fragen zu Lizzys Zustand, sei es privat oder über den Blog. Deswegen dachte ich, widme ich dem Thema mal einen Blogbeitrag. In allen Details.

Die leidvolle Geschichte begann mit unserem Auffahrunfall in Frankreich. Ende September 2015, auf der Rückreise nach Hause, mussten wir unser Wohnmobil dort in der Annahme, dass es nicht mehr zu reparieren sei, zurücklassen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie traurig wir darüber waren. Immerhin haben wir Lizzy monatelang renoviert. Zwei Monate lang war sie unser Zuhause und ist uns so richtig ans Herz gewachsen. Die Diagnose Totalschaden hat uns sehr hart getroffen.

Aber zu Hause machten uns Menschen, die sich mit Fahrzeugtechnik deutlich besser auskennen als wir, Hoffnung. Die Meisten waren der Meinung, dass Lizzy bestimmt für nicht allzu viel Geld repariert werden kann. Wir holten Kostenvoranschläge ein, recherchierten, erkundigten uns und beschlossen Lizzy nach Hause zu holen.

Aber wie bekommt man einen nicht fahrtüchtigen 3,5 Tonner kostengünstig von Lyon nach Osnabrück? Die Rückführung war die erste zu bewältigende Herausforderung. Mein in Polen lebender Cousin war dabei eine große Hilfe, dessen Freundin hat nämlich einen Onkel, der wiederum ein Speditionsunternehmen hat (könnt ihr noch folgen?) und sich bereit erklärt hat, unsere Lizzy zu holen. Um Leerfahrten zu vermeiden wurde Lizzy aber nicht nach Osnabrück sondern nach Polen gebracht. Vorteil: Reparaturkosten sind in Polen deutlich günstiger als in Deutschland. Nachteil: 1000km sind zu weit um mal eben hinzufahren und etwas persönlich zu klären.

Es begann eine nervenaufreibende und qualvolle Litanei. Da mein Polnisch nicht verhandlungssicher ist, übernahm mein Vater die Kommunikation. Fast täglich ergaben sich unsererseits oder bei der Werkstatt in Polen Fragen. Mein Vater nahm sämtliche Fragen entgegen, rief die jeweils andere Partei an und überbrachte dann wiederum die Antwort. Zwischenzeitlich war er, glaube ich, ziemlich genervt von der Situation. Papa, an dieser Stelle nochmal vielen Dank für deinen großen Einsatz!

Da Lizzy nicht mehr die Jüngste ist, konnte die Werkstatt keine neuen Ersatzteile beschaffen. Wir bekamen eine Liste mit allen defekten Teilen (die zunächst übersetzt werden musste) und Sven machte sich auf die Suche nach gebrauchten Teilen…  Anfang Januar hatten wir endlich alle Teile zusammen. Da die Kommunikation über die Entfernung so schwierig war und es diverse Missverständnisse gab, überredete Sven meinen Vater mit ihm über ein Wochenende nach Polen zu fahren und die Ersatzteile persönlich dorthin zu bringen. Und mit den Leuten, die unsere Lizzy retten, persönlich zu sprechen. Vor Ort stellte sich heraus, dass nicht alle von uns beschafften Ersatzteile in Ordnung waren. Also erneute Suche, noch mehr Kosten, aber hej; was tut man nicht alles für seinen Traum.

Nach dem Aufenthalt in Polen war Sven erstmals optimistisch, das alles gut wird. Ich denke, dass Wiedersehen mit Lizzy hat ihn wieder an die tolle Zeit erinnert und zum ersten Mal ließ er den Gedanken an sich ran, dass es eine Zukunft für uns und Lizzy geben wird. Und seine Euphorie schwappte auf mich über. Wir schmiedeten wieder Reisepläne. Ich hatte wieder Lust den Blog weiterzuführen. Ja, ich verkündete sogar zuversichtlich auf dem Blog, dass Lizzy bald nach Hause kommt.

Und dann war es endlich soweit. Im März flog Sven an einem Samstagabend nach Katowitz und kam Sonntagabend mit Lizzy nach Hause. Es war so schön sie wieder vor dem Haus stehen zu haben. Aber das Glück war nicht von langer Dauer. Denn bei der Rückführung stellte Sven fest, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das Fahrgefühl war seltsam. Sven beschreibt das Gefühl so, als hätte er eine Acht im Reifen.

Lag es daran, dass Lizzy zu lange stand? Sven tauschte erstmal die Vorder- und die Rückräder miteinander, aber das änderte leider Nichts. Das Fahrgefühl wurde nicht besser. Also ging es in die Werkstatt. Dort steht Lizzy nun seit Mitte April.

Nachdem die Werkstatt einige Ursachen ausschließen konnte, hat sich leider der Worst Case bewahrheitet: Getriebeschaden. Ein Getriebespezialist wurde hinzugezogen. Dieser stellte in Frage, ob unser Getriebe überhaupt noch zu retten ist. Also musste ein neues Getriebe her. All das kostet uns viel Zeit, sehr viel Geld und einiges an Nerven…

Vor ein paar Tagen sind wir im Internet fündig geworden und haben ein passendes (generalüberholtes) Getriebe gekauft. Dieses soll am Dienstag endlich eingebaut werden.

Und dann wird hoffentlich alles gut. BITTE, BITTE, BITTE!

Wir wollen endlich wieder reisen.

Diesen Freitag soll es bereits losgehen. Wir haben 2 Wochen Urlaub! Das Wetter ist traumhaft! Alles wartet nur auf Lizzy! 

 

 

 

 

3 Kommentare

  1. Puh, liebe Caro, das ist ja mal eines Wahnsinnsgeschichte! Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass jetzt alles passt und ihr Freitag tatsächlich los reisen könnt! Viel Erfolg und alles Gute, Mario

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