Das Finale in Ostspanien: Valencia, Ebro Delta und Costa Brava

Für die Mittelmeerküste Ostspaniens von Benidorm bis Cadaques könnte ich mir durchaus eine dreiwöchige Route vorstellen. Allein in Barcelona könnte man locker eine Woche rumkriegen ohne auch nur ansatzweise genug von der Stadt zu haben. Uns bleiben aber leider nur noch wenige Tage. Und spätestens bei diesem Reiseabschnitt spüren wir es ununterbrochen: Wir sind auf dem Rückweg und unsere gemeinsame Elternzeit neigt sich dem Ende zu. Der Gedanke daran lässt sich irgendwie nicht ausblenden und so sind die letzten Tage ein wenig bedrückend. Aber auch genauso voll gepackt. Denn wir möchten keinen der wertvollen letzten Augenblicke vergeuden.

Valencia an einem Tag

Als drittgrößte Stadt Spaniens bietet Valencia eigentlich alles, was eine moderne Metropole ausmacht: eine schöne Altstadt, historische wie moderne Architektur, Shoppingmöglichkeiten, Parks und stadteigene Strände. Klingt vielversprechend.

Nachdem wir uns also von unseren Freunden verabschiedet haben, machen wir uns auf den Weg Richtung Norden. Wir fahren bis kurz vor Valencia und finden etwa 10km vor Valencia einen kostenlosen Stellplatz direkt am Meer.

 

Ein anderes Womo steht hier auch – ein sehr beruhigendes Gefühl, nicht allein zu sein. Wir entscheiden uns also den Tag am Strand ausklingen zu lassen und am nächsten Tag am frühen Morgen zum Sightseeing nach Valencia aufzubrechen. Das Meer ist trotz Mitte September mindestens 5 Grad wärmer als in Nordspanien und Portugal. Hier kann ich mich sogar zum Frühsport aufraffen und gehe am nächsten Morgen um 7 Uhr im Meer schwimmen während Sven und Emilia Kaffee kochen und den Frühstückstisch decken. Besser kann ein Tag nicht starten. Dann packen wir zusammen und fahren nach Valencia. Da wir keinen einzigen kostenlosen Stellplatz gefunden haben, fahren wir den zentralsten Lidl an und wollen Lizzy dort stehen lassen, während wir uns Valencia ansehen. Leider finden wir den besagten Lidl nicht und müssen mit dem nächstbesten Parkplatz am Straßenrand vorlieb nehmen. Von hier aus laufen wir in die Stadt.

Zunächst kommen wir an der Ciudad de las Artes y las Ciencas vorbei, einem modernen, kulturell und architektonisch durchaus interessantem Gebäudekomplex.

Das 1998 gestartete Bauvorhaben hat sich leider als wirtschaftliches und planerisches Desaster entpuppt. Laut unserem Reiseführer schreibt die staatliche Betreiberfirma in jedem Jahr rote Zahlen und die Besucherzahlen sinken immer weiter. Der Eindruck entsteht bei uns ebenfalls, denn wir sind an einem Sonntag da und treffen nur vereinzelte Gäste.

Ein auf dem ehemaligen Flussbett des Flusses Turia breit angelegter Park führt uns anschließend in die Altstadt. Hier verbringen wir den Rest des Tages, essen Tapas, trinken Kaffee und Clara und lassen uns durch die Straßen treiben.

Valencia hat uns gut gefallen. Der breite Grünstreifen um die Innenstadt sprüht vor Leben, hier treffen sich die Leute zum Sport treiben, picknicken oder sonnen, die Innenstadt ist ein Straßengewirr ohne uns ersichtliche Ordnung, durch das man sich aber wunderbar treiben lassen kann. Leider ist es so heiß, dass es uns am besten unter schattenspendenden Schirmen in schönen Straßencafes gefällt. In einem dieser Cafes vergessen wir versehentlich Emilias Trinkflasche, also müssen wir zum Leidwesen von Sven doch noch die Shoppingmeile aufsuchen. Eigentlich steuern wir nur die gut sortierte Kaufhauskette El Corte Ingles an, aber unterwegs „stolpern“ wir noch über einen Zara kids, an dem ich nicht einfach vorbei gehen kann. Mit neuen Kleidchen und neuer Trinkflasche für Emilia machen wir uns am frühen Abend wieder auf den „Heimweg“. Unterwegs kaufen wir noch frische Baguettes und schmieren uns vor der Weiterfahrt noch schnell unseren Proviant. Auch duschen wir alle Drei im Womo – was so mitten in einer Metropole schon ein komisches Gefühl ist. Aber wir sind dankbar und glücklich die Möglichkeit zu haben. Ohne Dusche an Bord könnte ich mir eine solche Reise jedenfalls nicht vorstellen. Als wir uns dann wieder auf den Weg machen ist es 20 Uhr und Emilia braucht keine zwei Minuten bis sie im Tiefschlaf ist.

Das Ebro Delta und die Frage  ¿Dónde están los flamencos?

Nach 190km Fahrt entlang der Küste erreichen wir mitten in der Nacht den Parkpaltz des Nationalparks. Hier stehen mehrere weitere Wohnmobile, denen wir uns einreihen und uns völlig erschöpft schlafen legen.

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Am nächsten Morgen machen Sven und Emilia sich auf die Suche nach einem Bäcker und kehren ohne frisches Brot und mit schlechten Nachrichten wieder zurück: Hier gibt es Mücken. Unmengen an Mücken. Während wir im Womo frühstücken, überlegen wir was wir nun machen. Das Ebrodelta soll ein Paradies für Tierliebhaber sein. Über 300 Vogelarten bevölkern die geschützten Feuchtgebiete. Eigentlich hatten wir geplant, hier eine schöne Wanderung zu unternehmen. Aber auf einen Kampf gegen Mücken haben wir keine Lust. Wir entscheiden uns einen kleinen Spaziergang zur Touristeninformation zu machen, um uns überhaupt einen Überblick über die Landschaft zu verschaffen. Aber schon nach wenigen Metern hat Emilia den ersten Mückenstich und meine Arme sind auch komplett zerstochen. Wir lassen uns in der Touristeninformation zeigen wo die Flamingos sind, die möchte ich nämlich unbedingt sehen und entscheiden uns, die Stelle mit dem Womo anzufahren. Doch leider finden wir die Stelle nicht und so verlassen wir das Ebrodelta wieder und lassen die nervigen Mücken hinter uns.

Der letzte Strandtag

Nach der Pleite im Ebrodelta entscheiden wir uns, den Rest des Tages am Strand zu verbringen. Wir finden einen schönen Stellplatz an der Platja Llarga kurz vor Tarragona. Hier genießen die Zeit nochmal in vollen Zügen und haben einen wunderbaren Tag am Strand.

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Der Stellplatz direkt am Meer ist zwar kein offizieller Stellplatz, aber es stehen mehrere Wohnmobile hier. Also entscheiden wir uns über Nacht zu bleiben. Am nächsten Tag zieht es uns wieder zum Strand. So wie es aussieht ist heute nämlich die letzte Möglichkeit nochmal im Meer zu baden. Wir entscheiden den Vormittag am Strand zu verbringen und Emilias Mittagsschlaf für die Weiterfahrt nach Girona zu nutzen. Das sind immerhin 200km. Leider, leider, bleibt uns für unsere Lieblingsstadt Barcelona keine Zeit (kleine Anekdote am Rande: In Barcelona haben wir im Juli 2013 beschlossen, dass es eine kleine Emilia bzw. einen kleinen Emil geben soll – und das macht die Stadt für mich zu etwas ganz ganz besonderem; quasi eine zweite Verlobung). Aber Barcelona kennen wir schon und theoretisch könnten wir jederzeit hinfliegen wenn uns danach sein sollte (so argumentiert zumindest Sven um Krokodilstränen der Enttäuschung bei mir zu vermeiden 🙂 ).

Girona – schön, aber mit Kinderwagen durchaus sportlich

Emilia hält auf der Weiterfahrt den Mittagsschlaf ihres Lebens, so dass wir gute drei Stunden fahren können. Aber drei Stunden reichen nicht aus. Bevor Emilia unzufieden wird, steuern wir das nächste Einkaufszentrum an; hier kann Emilia „Leute gucken“ und wir unsere Vorräte aufstocken. Wir essen Obst, toben noch etwas rum und wagen uns dann die letzten Kilometer nach Girona zu fahren. Hier steuern wir einen Stellplatz am östlichen Stadtrand an. Als wir ankommen ist schon früher Abend. Während Emilia und Sven rumtoben, koche ich das Abendessen. Ich habe etwas Sorge, dass Emilia nach dem langen Mittagsschlaf abends nicht in den Schlaf findet, aber diese ist völlig unbegründet. Wie gewohnt fällt sie um 18:30 Uhr in Tiefschlaf und schläft bis zum nächsten Morgen durch. Sven und ich verbringen den Abend mit der Planung unserer Weiterreise, lesen und Fotos sortieren (mittlerweile sind es über 1500 Stück).

Am nächsten Morgen sind wir Dank unseres zuverlässigen Weckers Emilia wie gewohnt schon früh auf den Beinen. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Der Weg führt uns ca. 1,5 km entlang des Flusses Onyar in die Altstadt. Der Fluss steht sehr niedrig und die trocken liegenden Stellen werden leider zur Hundetoilette umfunktioniert. Wir ärgern uns sehr darüber und hecken den ganzen Weg über Pläne aus, wie die Stadt diesen Zustand erfolgreich bekämpfen könnte. Eure Vorschläge nehmen wir in den Kommentaren gern entgegen.

Die Altstadt von Girona ist herrlich. Sie ist autofrei, was uns sehr gut gefällt, und so verwinkelt, dass man sich leicht verlaufen kann. Die Kathedrale Santa Maria ist leider nur per Treppe zu besichtigen (oder wir haben den kinderwagengerechten Weg nicht gefunden). Leider gibt meine Kamera den Geist auf – so dass wir nur ein einziges Foto aus Girona haben.

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Zur Mittagszeit entscheiden wir, dass wir genug gesehen haben und weiter fahren möchten. Nächstes Ziel ist das 60km entfernte Cadaques, unsere letzte Station in Spanien. Wir haben alle Mühe, Emilia auf dem Rückweg zum Wohnmobil wach zu halten, aber da wir ihren Mittagsschlaf für die Weiterfahrt nutzen möchten, geben wir Alles und absolvieren ein Baby – Bespaßungsprogramm sondergleichen. Alles läuft nach Plan und schon bald geht die Reise weiter.

Cadaqués – Salvador Dalis schöne Heimat

Allein schon die Anfahrt ist sehenswert. Nur ein Weg führt durch die Berge von Roses nach Cadaqués und bietet eine fantastische Aussicht auf die Costa Brava. Leider können wir nirgendwo halten, aber ich schaffe es ein brauchbares Bild aus dem fahrenden Womo zu schießen (ja, meine Kamera tut es zum Glück wieder).

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Wir parken das Womo, der müde Papa legt sich vor der langen Heimfahrt schlafen und Emilia und ich machen uns zu Zweit auf Sightseeing Tour. Wir schlendern durch den schönen Ortskern und kehren in einem der vielen Cafes am Hafen ein. Hier erleben wir zum Abschluss noch einen richtigen Tourinap, von dem ich euch unbedingt berichten möchte: Ich möchte nur etwas trinken und für Emilia eine Kleinigkeit zu essen bestellen. Die Karte gibt nur Hauptgerichte her (alle um die 15€) Ich frage, ob ich für Emilia eine kleine Portion Batatas fritas bestellen kann. Kein Problem.

Während Emilia genüsslich ihre Pommes isst, logge ich mich ins Wlan ein und werde den Moment nie vergessen, in dem ich von dem Abgasskandal und Martin Winterkorns Rücktritt lese. Kennt ihr das auch? Bei bestimmten Ereignissen weiß man noch genau in welcher Situation man davon erfahren hat. Ich habe das beispielsweise bei 9/11; oder Lady Dianas Tod. Oder Michael Jacksons Tod. Und nun werde ich also immer den Abgasskandal mit Cadaqués in Verbindung bringen. Oder Cadaqués mit dem Abgasskandal. Wie man es nimmt. Während Emilia mich mit Pommes füttert, versuche ich die Details zum Skandal zu erfahren. Leider ist die Internetverbindung so schlecht, dass ich mich für weitere Infos noch gedulden muss. Als dann die Rechnung kommt und ich 10€ für eine Clara und eine kleine Portion Pommes bezahlen muss ist Cadaqués Schicksal besiegelt: Der Ort wird mir wohl nicht positiv in Erinnerung belieben.

Zurück am Womo wecken wir Sven, kochen Abendessen und machen uns abends auf den Weg Richtung Heimat.

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