Costa Prata – die „silberne Küste“ zwischen Porto und Lissabon

„Portugiesischer geht es kaum.“ „Hier machen die Einheimischen Urlaub.“ Zwei Sätze über die Costa Prata, die mir aus meiner Recherche über Portugal in Erinnerung geblieben sind. Gespannt begeben wir uns also weiter Richtung Süden. Was uns als Allererstes auffällt: Es wird schlagartig heißer. Auf einmal haben wir mit Temperaturen über 30 Grad zu „kämpfen“. Darauf müssen wir uns erst einstellen.

Hohe Temperaturen an der Costa Prata – Wir geben uns Hitzefrei (27.08.15)

Wir fahren die silberne Küste entlang von Porto nach Aveiro. Auf Aveiro habe ich mich besonders gefreut. Ein Bild einer bunten Häusergasse am Ria de Aveiro sprach mich beim Durchblättern des Reiseführers an und ich habe mich schon die ganze Reise auf diese Häusergasse gefreut. Bevor wir Aveiro erreichen, entdecken wir kurz vor Torreira einen Picknickplatz an einem Ausläufer des Ria de Aveiro. Hier legen wir ein kleines Picknick ein und sehen bereits die bunt bemalten Fischerboote, die auf allen Bildern von Aveiro zu sehen sind.

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Die Vorfreude steigt. Die Temperaturen leider auch. Mit jeder Minute und mit jedem Kilometer Richtung Süden wird es heißer.

In Aveiro fahren wir einmal durch den kompletten Ort um den Camper zu parken. Die mit Autos und Fußgängern absolut überfüllte Stadt ist so gar nicht der malerische Ort, den ich mir vorgestellt hatte. Von der Hitze geschlaucht entscheiden wir deshalb das weitere Sight Seeing Programm ausfallen zu lassen. Also fahren wir zum Strand nach Costa Nova und finden am Meer die wohl verdiente Abkühlung.

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Emilia erlernt hier übrigens eine ganz neue Fortbewegungstechnik. Ist ihr der Untergrund nicht weich genug, bewegt sie sich wie ein Äffchen auf Händen und Füßen fort. Und erntet dabei stets Gelächter vom Publikum.

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Unser Stellplatz ist direkt hinter der Düne ideal gelegen (falls ihr es nicht erkennt: unser ist das Reihenendhaus ganz links). Nur leider kann man sich als Camper seine Nachbarn auch nicht aussuchen: Neben uns „wohnt“, wie sich im Laufe des Abends herausstellt, eine portugiesische 3-Generationenfamilie und anscheinend schafft es weder Oma, noch Opa, noch Mama, noch Papa das zweijährige Kind ins Bett zu bringen, so dass sie aus lauter Verzweiflung eine Dreiviertelstunde lang den Motor laufen lassen bis das Kind endlich schläft und wir von Dieselgestank und nervendem Motorengeräusch erlöst werden. Echt eine Zumutung an unsere Nerven.

Wandern im Märchenwald von Buçaco (28.08.15)

Genug gefaulenzt. Heute machen wir einen Ausflug in den Wald von Buçaco. Hier haben im Jahr 1628 Mönche ein Kloster gegründet. Die portugiesischen Seefahrer brachten ihnen von ihren Weltreisen exotische Pflanzen und Samen mit und schon bald blühten hier Zedern und Mammutbäume, Zypressen und Araukarien, japanische Kampferbäume und Palmen, Kamelien und Magnolien. Die Mönche umschlossen ihren verwunschenen Wald mit einer 5km langen Mauer, versperrten Frauen den Zutritt, lebten hier in Einsiedeleien und legten Kapellen, Brunnen, Grotten und Teiche an. Nachdem das Kloster 1834 aufgelöst wurde, ließ sich König Carlos I hier einen prunkvollen Palast bauen. Ein Märchenschloss! Man kann unmittelbar vor dem Schloss parken, aber das wäre ja langweilig. Wir fahren zum Aussichtspunkt Cruz Alta, von dem aus man einen tollen Blick auf den Wald und das Schloss hat und von wo aus wir eine schöne Wanderung durch den Wald zum Schloss unternehmen.

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Die Wanderung ist anstrengend (besonders der Rückweg, bei dem es die ganze Zeit bergauf geht) aber sehr lohnenswert.

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Nach dem tollen Vormittag überlegen wir, was wir mit dem Rest des Tages anfangen. Eigentlich lechzen wir nach einer Abkühlung am Meer, aber das wäre auf dem Weg nach Coimbra, unserem nächsten Ziel, ein blöder Umweg. Und dann entdecke ich, dass unser Stellplatz in Coimbra direkt an einem Fluss mit Bademöglichkeit liegt. Sofort machen wir uns auf den Weg und der Wohnmobilreiseführer hat nicht zu viel versprochen: Wir erfrischen uns im Rio Mondego, dabei genießen wir die Aussicht auf Coimbras Altstadt.

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Schöner hätte der Tag nicht zu Ende gehen können. Denkt sich Emilia anscheinend beim abendlichen Bad auch.

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Coimbra – eine Studentenstadt ohne Studenten (29.08.15)

Am nächsten Morgen machen wir uns auf, um uns in der Studentenstadt umzusehen. Wir starten den Tag mit einem Frühstück im Café Santa Cruz. Das Kaffeehaus (kleines Gebäude rechts, mit den Sonnenschirmen) war früher einmal Teil der Santa-Cruz-Kirche.

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Das Kirchengewölbe hat ein schönes Ambiente, aber wir bevorzugen es draußen Platz zu nehmen. Für Emilia bestellen wir Toast mit Butter und sie ist total begeistert, als der Kellner ihr ihren eigenen Teller bringt.

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Nachdem wir uns gestärkt haben, spazieren wir durch die engen Gassen der Altstadt. Aber an einem Samstag im August ist die Stadt wie leer gefegt; keine Studenten hier. Die sind wohl alle in den Ferien.

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Das einzige Zeichen auf Leben in den sonst leer gefegten Gassen ist ein „Häkelfestival“. Wir entdecken sogar behäkelte Fahrräder.

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Unsere Siesta halten wir in einem klimatiesierten Mc Donalds ab; hier haben wir super schnelles WLAN und können uns etwas von der Hitze erholen. Den Nachmittag verbringen wir wieder am Fluss. Abends machen wir uns zurück Richtung Küste auf. Bei den heißen Temperaturen möchten wir einen Strandtag einlegen.

Einsam am Strand und ein bisschen Kultur fürs gute Gewissen (30.08.15)

Etwa 7 Kilometer südlich von Viera haben wir im Parque de Merendas Samouco mitten im Pinienwald übernachtet, nachdem wir auf abenteuerliche Weise einen geeigneten Schlafplatz in Strandnähe im Dunkeln gesucht und gefunden haben.

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Die Sonne scheint, es ist Sonntag und perfektes Strandwetter. Wir befürchten, uns den Strand mit vielen, vielen Portugiesen teilen zu müssen. Immerhin sollen sie ja alle hier Urlaub machen. Aber nichts da. Der kilometerlange Sandstrand ist menschenleer.

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So schön das ist, ist es mir ein wenig unheimlich! Stimmt etwas nicht mit dem Strand? Wurde hier vor kurzem ein Kind von einem Hai angegriffen (Sven lacht darüber…)? Machen die Portugiesen doch alle in der Algarve Urlaub oder haben sie einfach so viele Strände dass sie sich so gut verteilen? Vielleicht kann uns ja mal ein mitlesender Portugalexperte aufklären?! Wir verbringen einen tollen Strandtag, Emilia hält den Mittagsschlaf ihres Lebens (3 Stunden; die Seeluft macht wohl müde). Nach einem späten Mittagessen im Camper beschließen wir nach Batalha zu fahren. So mitten in der Natur ist es uns dann doch auf Dauer zu einsam und langweilig.

In Batalha fand 1385 die entscheidende Schlacht (wir haben das Gefühl, dass in jedem Ort Portugals die entscheidende Schlacht um Portugals Unabhängigkeit stattgefunden hat…) zwischen Portugal und Kastilien statt. Die Armee der Spanier war fünfmal so groß und besser ausgestattet. In seiner Not gelobte König João I der Heiligen Jungfrau, ihr für ihren Beistand ein Kloster zu stiften. Die Portugiesen siegten in der Schlacht und in Bathala begann der größte Klosterbau Portugals.

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Viel mehr als das Kloster und ein paar Souvenierläden hat die Stadt aber nicht zu bieten, so dass unser kulturelles Programm in 30 Minuten abgearbeitet ist.

Ein Spaziergang durch Nazaré und Wohnen an der blauen Lagune (31.08.15)

Heute sind wir in Nazaré. Spätestens seit hier ein Surfer ein 30m hohe Welle geritten ist (Weltrekord), ist dieser Ort der wohl bekannteste Seeort Portugals. Das ehemalige Fischerdorf liegt traumhaft am Ende einer langen Sandbucht und wird durch ein riesiges Kliff unterteilt. Wir spazieren durch die durchaus nette, obwohl mittlerweile sehr touristische Altstadt, die direkt an den Strand grenzt.

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Wir fahren noch kurz in den in den Fels gebauten Stadtteil Sitio, von wo aus man eine tolle Aussicht auf den Ort hat.

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Anschließend fahren wir zum Baden zu der Lagune Lagoa de Óbidos. Hier wohnen wir quasi am Strand. Sehr idyllisch.

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Óbidos – mal wieder etwas Mittelalter (01.09.15)

Das kleine Städtchen Óbidos soll einer der nettesten und stimmungsvollsten Orte Portugals sein. Prospekte lügen ja häufig, aber was Óbidos betrifft, kann ich nur zustimmen. Weiß gekalkte, blumengeschmückte Häuschen an kopfsteingeplasterten, engen Gassen, dazu ruhige Gitarrenklänge im Hintergrund. Ein ganz besonderer und schöner Ort.

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Der perfekte Abschluss für unsere Tage an der Costa Prata.

Heute Abend machen wir uns auf den Weg nach Lissabon. Seit 29 Tagen sind wir jetzt unterwegs. Halbzeit. Wir befinden uns also quasi wieder auf dem Rückweg.

Viele, viele Grüße an Euch alle zu Hause. Dass ihr hier mitlest und uns so ein wenig auf unserem wunderschönen Abenteuer begleitet, bedeutet uns sehr, sehr viel. Wir freuen uns euch bald alle wieder zu sehen.

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