Galizien – Unterwegs auf „Jakobs Wegen“

Der Apostel Jakobus missionierte die iberische Halbinsel zum Christentum und wurde bei seiner Rückkehr nach Jerusalem enthauptet. Im Jahr 614 wurde er heimlich nach Galizien überführt und an dem Ort, an dem seine Missionarskarriere begann, bestattet. Eine Kirche wurde erbaut und Santiago (Santo Jago = Heilliger Jakobus) zum religiösen Zentrum Spaniens und dem wichtigsten Pilgerort Europas.

Playa de Peñarronda an der Costa Verde (17.08.15)

Wir starten unsere Erkundungstour durch Galizien allerdings mit einem faulen Nachmittag am Strand. Naja, Sven und ich würden am liebsten etwas schlafen, aber Emilia findet den Strand so schön, dass sie uns ständig davon krabbelt. Und kiloweise Sand isst – wenn`s schmeckt.

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Estaca de Bares und der coolste Stellplatz überhaupt (18.08.15)

Am frühen Morgen haben wir heute den nördlichsten Punkt Spaniens erwandert, den Estaca de Bares. Es war ein schöner Spaziergang mit einer tollen Aussicht! Den Rückweg musste ich leider barfuß antreten da mir meine „Wander-FlipFlops“ gerissen sind….

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Anschließend sind wir zu der nur ein paar Kilometer entfernten Playa de Esterio gefahren. Hier haben wir einen wunderbaren Stellplatz gefunden. Mitten im Pinienwald, mit Picknicktischen, Brunnen und Grillstellen. Und zum neidisch werden coolen Nachbarn.

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Der Strand, den wir fast ganz für uns alleine haben, ist richtig schön. Wir verbringen hier einen entspannten Tag, nicht zuletzt weil die Kinder unserer „Nachbarn“ Emilia quasi dauerbespaßen.

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La Coruña – Eine Stadt mit hohem Wohlfühlfaktor (19.08.-20.08.15)

So schön die Natur Nordspaniens auch ist, sehne ich mich schon wieder nach einer großen Stadt. La Coruña, die größte Stadt Galiziens, können und wollen wir folglich nicht unbeachtet lassen. Ohne es zu wissen, habe ich einen Stellplatz direkt vor dem Herkulesturm, der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt rausgesucht. Diesen schauen wir uns also direkt mal an.

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Aufgrund irgendeines Aberglaubens, den ich euch gar nicht mehr wiedergeben kann (und der bestimmt sowieso keinen von euch interessiert) ist der Leuchtturm zu seinem Namen gekommen. Was ich euch aber sagen kann: Er ist im 2. Jahrhundert erbaut worden und ist somit der älteste noch funktionierende Leuchtturm. Bei unserer Besichtigung entdecken wir diesen wunderschönen Stadtstrand direkt neben unserem Stellplatz.

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Die Stadt muss noch einen Tag auf uns warten, wir können diesem Strand nicht wiederstehen.

Abends bestücken wir uns mit Oliven, Käse, Wein und Baguette und sehen einen Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch. Bis auf ein fünfminütiges „Nach-dem-rechten-Sehen“ verschläft Emilia das ganze Spektakel, so dass es sogar mit Baby ein richtig romantischer Abend ist.

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Am nächsten Tag sehen wir uns dann aber endlich die Stadt an. Um 9 Uhr (ja, mit Baby ist man auch im Urlaub stets früh auf den Beinen) laufen wir entlang der Promenade in die Altstadt. Es fährt auch ein Bus, aber Sven besteht auf den Spaziergang. Um diese Uhrzeit schläft die Stadt noch, bis auf ein paar vereinzelte Jogger ist noch niemand auf den Beinen. Auf den ersten Blick ist La Coruña keine Schönheit, aber je mehr wir laufen, desto mehr schöne Ecken finden wir.

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Und spätestens um die Mittagszeit in der „Calle de la Franja“ hat mich die Stadt in ihren Bann gezogen.

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Hier reiht sich eine Gaststätte an die nächste. Auf der Suche nach „Cocido“, dem angeblichen Leibgericht aller Galizier, entscheiden wir uns für ein Lokal ohne englische Speisekarte (weil wir glauben, dass hier die Spanier und nicht die Touristen essen). Wir bestellen ganz souverän auf spanisch unsere Cocidos, worauf uns die Wirtin mitteilt: „¡No hay Cocido hoy!“ Na toll, nun stehen wir da mit unserem Talent und der spanischen Speisekarte. Aber irgendwie kriegen wir es dann doch hin, Seehecht und Kalbsschnitzel zu bestellen.

Wir schlendern noch ein wenig durch die Stadt und sind erst am späten Nachmittag wieder „zu Hause“. An dieser Stelle muss ich mal ein Lob an unsere Tochter aussprechen. Es ist wirklich unfassbar, wie super sie alles mitmacht. Sie hat so viel Freude, egal was wir unternehmen. Wir mussten noch keine einzige Aktivität abbrechen oder gar verschieben, weil sie keine Lust darauf hatte. Heute hat sie den ganzen Tag über brav in ihrem Kinderwagen gesessen, sich alles genau angeschaut, vor sich hin gebrabbelt und bei jedem vorbeilaufenden Kleinkind oder Hund freudig „Da Da Da“ gerufen. So ein unkompliziertes und tolles Mädchen. So schade, dass sie sich an diese Reise nicht erinnern wird!

Als wir abends La Coruña verlassen, beneide ich die Einwohner ein wenig um ihre Stadt. Es muss herrlich sein sich nach der Arbeit mit Freunden am Strand zu treffen und noch ein wenig zu sonnen. Und anschließend bei Sonnenuntergang auf der Strandpromenade zu joggen.

Santiago de Compostella – sin dolor no hay gloria (21.08.15)

Seit Beginn unserer Reise begleiten uns Pilger. Schon in Le Puy en Velay haben wir sie gesehen. Und seitdem ist kein Tag vergangen an dem wir nicht zumindest einen mit dem unverkennbaren Symbol „Jakobsmuschel“ ausgestatteten Wanderer getroffen haben. Immer wieder haben wir uns über Hape Kerkeling und all die anderen mutigen Pilger unterhalten, darüber, ob es auch etwas für uns wäre, ausgetauscht, festgestellt, wie sich das Pilgern verändert hat, dass es „neumodisch“ ist, auf dem Jakobsweg zu sich selbst zu finden, was auch immer das bedeutet. Heute haben wir jedenfalls das Ziel erreicht. Nicht nur unser letztes Ziel Nordspaniens, sondern auch das Ziel all der Pilger. Viele von ihnen haben den Weg, den wir in den letzten 18 Tagen per Camper zurückgelegt haben, zu Fuß geschafft. Jeder Einzelne von Ihnen hat unseren vollsten Respekt.

Ich persönlich empfinde die 800m, die wir von unserem Stellplatz zu DER Kathedrale zurücklegen, als sehr bedrückend. Ich muss an all die Pilger denken, die seit Wochen mit diesem Ziel unterwegs sind. Sven sagt, er stelle es sich sehr erlösend vor, endlich da zu sein, an dem Ziel, dass man seit Wochen verfolgt. Für mich ist der Gedanke irgendwie quälend, wochenlang dieses Ziel zu verfolgen und es dann auf einmal zu erreichen – es ist wie damals nach einer anstrengenden Klausurenphase – für mich folgt da keine Glückseligkeit sondern eine innere Leere und die quälende Frage „Und nun?!?“. Aber nun, Pilger, Sven, Emilia, ich, wir haben alle her gefunden. Und was mich sehr erfreut: Für die Pilger gibt es einen gesonderten Eingang in die Kirche! Das nenne ich mal Respekt für die ganzen Mühen. Ehrlich. Finde ich total gut. Wir sind gerade passend zu einem Gottesdienst da und der Priester begrüßt sämtliche Pilger aus den unterschiedlichsten Ländern: Polen, Italien, Frankreich, Deutschland, Portugal, Spanien und viele, viele anderen… Das begeistert mich total. So viele Menschen mit einem Ziel, mit der gleichen Idee… Jedenfalls ein sehr inspirierendes, interessantes und besonderes Erlebnis.

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Aber nicht nur die Kirche in Santiago ist sehenswert, der ganze Ort mit all den engen Gassen ist beeindruckend und ein absolutes Muss für jeden der in der Gegend ist.

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Als wir wieder am Wohnmobil sind, ist uns nach einer Abkühlung. Somit entscheiden wir nach Vilarello zum Rio Ulla zu fahren, an dem es einen schönen Strand geben soll. Den Ausflug hatten wir uns einfacher vorgestellt, denn um zum Strand zu gelangen, müssen wir durchs Dorf. Und das ist nicht gerade wohnmobiltauglich. Aber mit eingeklappten Seitenspiegeln läuft es wie geschmiert.

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Wir verbringen einen entspannten und einsamen Nachmittag und Abend am Fluss und brechen passend zu Emilias Schlafenszeit nach Portugal auf

Adios Espania!!!! Schon bald sehen wir uns wieder!

3 Kommentare

  1. Huhu ihr 3 Hübschen!
    Ich bin Fan!!! („emiliamobil“ ist auf Platz 1 in meiner Favoritenliste)
    Warte schon auf den nächsten Report! =()
    Viele liebe Grüße aus der euch vermissenden Heimat!

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  2. Ja, das ist Abenteuer pur, wenn man die Wände mit Schmierseife einschmieren muss, damit das WOMO „durchflutscht“. Man sieht, dass es euch richtig Spaß macht. Also: Weiter so… Gute Reise.

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