Generalprobe auf dem Transit durch Frankreich

Endlich schaffe ich es mich zu melden. Es mangelte nicht an Lust am Schreiben sondern an den technischen Möglichkeiten ins Internet zu kommen. Aber nun, in der wundervollen modernen Touristeninformation Bilbaos habe ich WLAN und kann endlich etwas online stellen, während Sven und Emilia einen Fahrradladen suchen, da unser geliebter Kinderwagen einen Platten hat.

Nun sind wir seit genau einer Woche on the road.

Sven war zu Beginn ziemlich erkältet, aber ansonsten geht es uns sehr gut. Wir haben uns mit unserem Camper bekannt gemacht, beherrschen die Technik und alle Handgriffe sitzen. Die Generalprobe, die uns empfohlen wurde und die wir aus Zeitmangel vor Reiseantritt nicht geschafft haben, machen wir unterwegs. Learning by doing und Improvisation sind unsere Stärken. Aber der Reihe nach.

Was lange währt wird endlich gut – eine nervenaufreibender Start

Mit etwas Verspätung nach einem stressigen letzten Tag fahren wir gegen 19:30 Uhr los. Die ersten Kilometer sind aufregend für uns Drei, eine gewisse Anspannung ist da. Haben wir an alles gedacht? Ist das Gepäck sicher verstaut? Wird alles gut? Wir fahren auf die A1 Richtung Süden, Sven hängt sich an einen LKW und fährt gemütliche 90km/h. Emilia ist aufgedreht und erkundet erstmal die neue Umgebung. Die Geräuschkulisse beim Fahren ist eine ganz andere als in unserem PKW und es wackelt ständig. Emilia denkt gar nicht daran zu schlafen und ich kämpfe die erste Stunde damit sie zu bespaßen und zu beruhigen. Aber irgendwann findet sie endlich in den Schlaf. Sven und ich kommen zur Ruhe. Ich realisiere erst jetzt so richtig dass wir nun weg sind. Dass wir nun wochenlang auf Reise sein werden. Hoffentlich wird es genauso schön wie wir es uns immer ausgemalt haben.

Kurz nach Mitternacht sind wir bei Frankfurt angekommen. Auf einer Raststätte nehmen wir zwei Anhalter mit. Die beiden Jungs (mein Bruder Matze und sein Kumpel Flo) möchten nach Nordspanien und werden sich in den nächsten Tagen als unverzichtbare Reisebegleiter herausstellen.

20150804-SAM_2411Emilia ist auf der Raststätte aufgewacht. Ich gebe ihr eine Flasche und sie schläft weiter bis 6 Uhr. Hinter Freiburg überqueren wir die Grenze und fahren zum Frühstücken einen Rastplatz in Besançon an. Leider hat es in der Nacht geregnet, so dass wir die vorhandenen Picknickbänke nicht nutzen können und im Camper frühstücken. Zu Fünft ist es sehr eng, aber es haben alle einen Sitzplatz. Ich koche den ersten Kaffee in meiner neuen Küche und tadaaa, er schmeckt. Den brauche ich auch: Denn der Schock der Nacht sitzt: Unser Elektriker hat geschlampt (Kleiner Spaß Bruderherz 😉 ) und die Steckdosen funktionieren nur wenn unser Wohnmobil von extern Strom bezieht. Außerdem sind beide Batterien zur Stromversorgung (anders als angenommen) hinüber. Es ist ja super, dass wir unabhängig durch unsere Solarzellen Strom beziehen können, wenn allerdings die Batterien den Strom nicht speichern können, bringt das auch nur wenig… Nun sind sowohl mein Handyakku als auch der Laptopakku leer – und mein persönlicher Akku ebenfalls. Wir tuckern auf französischen Landstraßen, Sven fährt, Flo navigiert und Emilia wird von Mama und Patenonkel bei Laune gehalten. Gerade als ich denke, Nichts geht mehr, erreichen wir endlich gegen Mittag unser erstes Ziel: Das Dörfchen Perouges. Ich lasse die Sektkorken knallen und die Kerle stoßen mit mir an, während Emilia völlig unbeeindruckt von der Umgebung auf ihrer Krabbeldecke spielt. Sekt und unkompliziertes Kind lassen meine Laune wieder steigen und die leeren Akkus erstmal vergessen. Perouges möchte erkundet werden – auf geht’s.

Perouges – auf jeden Fall einen Zwischenstopp wert (4.08.15)

Perouges ist ein kleines Dorf mit mittelalterlicher Atmosphäre und Kulisse von diversen Ritterfilmen. Schon vom Parkplatz aus lässt sich erkennen, dass überall Treppen und schmale Gassen sind – absolut kinderwagenungeeignet. Also kommt Emilia in die Tragehilfe und siehe da: keine fünf Minuten später schlummert sie an Svens Brust.

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Das Dorf ist schön, wir spazieren durch alle Gassen, aber Hunger und Durst treiben uns zurück zum Wohnmobil. Da uns der Stellplatz nicht zusagt fahren wir weiter bis zur nächsten Ortschaft und finden hier einen schönen Stellplatz mit Wasser, Bänken und einem Spielplatz. Hier schlagen wir unser erstes Lager auf. Das Wetter ist wunderschön, so dass wir draußen sitzen können. Emilia schläft im Kinderwagen. Ich koche uns gebratene Nudeln mit Hähnchen (oder Pute? Ohne Französischkenntnisse sind wir uns nicht sicher) und wir lassen den Abend bei einer Flasche Rotwein ausklingen.

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Am nächsten Morgen sind wir Dank unseres zuverlässigen Weckers ab 7 Uhr auf. Wir frühstücken entspannt in der Sonne und dann geht es weiter.Unterwegs sieht es idealerweise so aus: Sven fährt, Emilia schläft und ich plane die Route oder feile am Blog.

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Erinnert ihr euch noch an die leeren Akkus? Unser mitreisender Elektriker Matze war über Nacht kreativ und hat eine Lösung für mein Steckdosenproblem gefunden. Wir halten an einem großen Supermarkt mit Autozubehör, kaufen eine neue Autobatterie und einen Trafo. Matze macht sich direkt am Parkplatz ans Werk während wir die Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen. Zurück vom Einkauf berichtet Matze stolz, dass sein Plan funktioniert hat. Nun haben wir ohne externe Stromversorgung eine Steckdose, bei externer Stromversorgung funktionieren alle Steckdosen. Ich atme tief durch. Alles ist gut.

Le Puy en Valey – Weltkultuererbe in Vulkanlage (5.08.15)

Wir fahren weiter nach Le Puy en Valey. Meine Mitreisenden sind wenig begeistert, als sie die Kathedrale oben auf dem Vulkan entdecken. Aber meinem „Charme“ kann niemand wiederstehen und so steigen wir schon bald bei 35 Grad die Stufen zur Kathedrale hoch. Keiner konnte ahnen dass hier Treppen sind und so schleppt Sven Emilia, die Jungs den Kinderwagen und ich meine Kamera hoch.

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Oben angekommen sind wir aber alle beeindruckt von dem imposanten Bauwerk. Wir schlendern noch ein bisschen durch die Gassen, aber es ist sehr heiß und wir möchten uns abkühlen. Also fahren wir zu dem 8km weiter südlich gelegenen „Lac du Bouchet“ und springen in den eiskalten Vulkansee.

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Emilia kommt ganz nach ihrem Papa und der See ist ihr zu kalt, aber die Jungs und ich lieben die Abkühlung. Nachdem wir uns mit dem Sprung ins kühle Nass erfrischt haben, verbringen wir die Nacht auf dem Parkplatz am See.

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Ein Tag im Camper -anstrengend, aber zielführend (06.08.15)

Wir möchten Kilometer machen und endlich mit unserer Tour durch Nordspanien starten. Also starten wir früh am dritten Tag und wollen sehen wie weit wir kommen. Mit Supermarktunterbrechung schaffen wir es bis zum 300km entfernten Örtchen Albi, mehr wollen wir Emilia und uns nicht zumuten. Hier finden wir einen Stellplatz am „Lac de Bellevue“ mit Ver- und Entsorgung.

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Wir „tanken“ frisches Wasser und Energie für den letzten Teil der Anreise. Denn wir wollen den Rest über Nacht fahren. Unser Plan geht auf und Emilia schläft die ganze Nacht durch, während wir die letzten 430km von Albi nach Biarritz nachts von 2 bis 7 Uhr bestreiten. Da unsere Mitreisenden Steuer und Navigation übernehmen, können Sven und ich sogar auch mehr oder weniger gut schlafen um fit für den kommenden Tag fit zu sein. Damit ist unsere Anreise abgeschlossen und die echte Erholung kann beginnen…

Ich hoffe euch bald mit unseren Eindrücken aus dem Baskenland versorgen zu können. Bis dahin senden wir viele Grüße nach Deutschland.

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